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Was fällt euch als erstes bei dem Wort Madeira ein? Weinkenner werden jetzt vielleicht sofort „Portwein“ einwerfen, welcher auf der Atlantik-Insel eine lange Tradition hat und auch heute noch schlicht unter dem Namen „Madeira“ ausgeschenkt wird. Für Pflanzenliebhaber ist Madeira jedoch DIE Blumeninsel. Mich persönlich machten zugegebenermaßen beide Aspekte neugierig und so verbrachte ich im vergangenen Mai einen zweiwöchigen Urlaub auf dem gebirgigen Eiland.

Bougainvilleen und Palmen auf dem Küstenpfad zwischen Funchal und Camara de Lobos

Wild wuchernde Bougainvilleen und Dattelpalmen auf dem Küstenpfad zwischen Funchal und Camara de Lobos

Levada bei Lombada da Ponta do Sol

Typischer Wanderweg auf Madeira entlang einer Levada. Vorne rechts: Blühende Fackellilie (Kniphofia)

Zur Einordnung: Madeira liegt gut 700 Kilometer westlich der marokkanischen Küste im atlantischen Ozean und ist wie die etwas weiter südlich gelegenen Kanaren vulkanischen Ursprungs. Im Gegensatz zu diesen gehört Madeira jedoch nicht zu Spanien sondern zu Portugal. Ein weiterer deutlicher Unterschied: Die „Blumeninsel“ ist fast rundum von oben bis unten üppig grün, was nicht nur mit etwas häufigeren Niederschlägen, sondern auch mit einem genialen Bewässerungssystem zu tun hat. Dieses transportiert seit Generationen das kostbare Nass aus den regenreichen Gebirgsregionen über weit verzweigte Wasserrinnen bis in die tiefsten Schluchttäler und entlegensten Küstenabschnitte. „Levadas“ heißen die Bewässerungsgräben hier und für den wandernden Touristen haben sie einen wunderbaren Nebeneffekt: Sie verlaufen in einem stetigen, sanften Gefälle, sodass man auf den parallel dazu angelegten Wegen ohne allzu große Anstrengungen durch die schönste Berglandschaft wandern kann. Wer es etwas sportlicher mag, findet dennoch genügend Betätigungsmöglichkeiten: Madeira verfügt nämlich über einige anspruchsvolle Gipfeltouren mit alpinem Charakter (bis auf 1862 Meter Meereshöhe) und zudem über spektakuläre Pfade entlang der zerklüfteten Steilküste. Diese Pfade befinden sich zum Teil auf uralten, gepflasterten Wirtschaftswegen, die einst die einzigen Verbindungen zwischen den Dörfern, Terrassenfeldern und Häfen darstellten.

Schmucklilien (Agapanthus) an der Steilküste bei Arco de Sao Jorge, Madeira

Steilküste im Norden Madeiras bei Arco de Sao Jorge mit blauen und weißen Schmucklilien (Agapanthus)

Apropos Steilküste: Dieses Stichwort lässt Badeurlaubern meist gleich resigniert abwinken und tatsächlich ist Madeira auch keine ausgesprochene Badeinsel. Einige flachere Küstenabschnitte gibt es zwar schon, bis auf wenige Ausnahmen sind diese jedoch grob geröllig und die heftige Meeresbrandung macht es Schwimmern nicht gerade einfacher – Wellenreiter fühlen sich davon schon eher angezogen. Aber natürlich kann man an einigen (künstlich) geschützten Strandabschnitten auch gefahrlos planschen und baden. Hinzu kommen in mehreren Orten Meerwasserschwimmbecken, die teilweise in den natürlichen Fels eingelassen sind und immer wieder von der Brandung mit frischem Salzwasser gefüllt werden.
Doch nun zu den Pflanzen: Bevor ich mich näher mit Madeira befasst hatte, dachte ich, dass das Klischee von der Blumeninsel nur für einige Gärten und Parkanlagen in der und rund um die Inselhauptstadt Funchal gelte. Ich wurde eines Besseren belehrt: Madeira blüht aus jeder Pore, aus jeder Felsspalte, ja fast überall. Je nach Höhenlage und Kleinklima sieht man dabei Tropisches, Subtropisch-Mediterranes oder auch für Mitteleuropa Typisches. Ich habe wirklich schon viele Inseln im Mittelmeer und im Atlantik bereist, aber in Sachen pflanzlicher Vielfalt und Üppigkeit kann keine von ihnen auch nur ansatzweise mit diesem portugiesischen Eiland mithalten. Verstärkt wird der bleibende Eindruck noch dadurch, dass das blühende Grün in eine geradezu dramatische Landschaft eingebettet ist, die nur so vor schroffen Felsen, Schluchten und Wasserfällen strotzt. Die in der folgenden Bildergalerie gezeigten Fotos können davon nur einen kleinen Eindruck vermitteln – das Beste ist ohnehin, selbst hinzureisen und sich vom Zauber Madeiras einfangen zu lassen.

Grüne und blütenreiche Eindrücke von der Blumeninsel Madeira

Fotos: Patrick Hahn (27), Kerstin Güttler (1)


2 Kommentare zu “Unterwegs auf der Blumeninsel Madeira

  1. Vielen Dank Kerstin und Patrick,
    ein schön geschriebener Kurzbericht mit allen wichtigen Infos und dazu doch sehr schöne Bilder.
    Gruß Eckhard aus dem Norden Deutschlans

  2. Hallo Eckhard,
    vielen Dank für deinen positiven Kommentar und – falls du gerade bei der Reiseplanung bist – viel Spaß sowie tolle Eindrücke auf Madeira! Die Insel scheint als Aktiv-Reiseziel ziemlich unterschätzt zu werden, hat sie doch bei vielen immer noch das Image einer „Rentner-Insel“. Dabei hat sie Wanderwege in allen Schwierigkeitsgraden durch spektakuläre Landschaften zu bieten. Durch das viele Grün und entsprechend Schatten ist es dort auch klimatisch angenehmer als beispielsweise in den trockenen Barrancos von La Gomera. Auf der Nord- und Westseite ist allerdings auch immer wieder mal mit Regen zu rechnen, der Süden und Osten rund um Funchal ist wesentlich trockener – und dank der ausgeklügelten Bewässerung dennoch grün.

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