Besucht uns auch auf…

Im Durchschnitt konsumiert jeder Deutsche pro Jahr fast 90 Kilo Fleisch. Auch die Vegetarier und Veganger – statistisch gesehen – obwohl sie ja gar kein oder nur wenig Fleisch zu sich nehmen. So ist das mit Durchschnittswerten, sie werfen alle in einen Topf. Das war’s dann in Ulrike Weilers Buch „Fleisch essen?“ aber auch schon mit der prominenten Rivalität von Fleischeslust und -verzicht. Denn es geht ihr nicht darum, ob Veganer, Vegetarier oder „Carnivoren“ (Fleischesser) die besseren Menschen sind. Für sie ist interessant: Wir essen viel Fleisch, also wird es produziert. Und die Wissenschaftlerin, sie ist Professorin am Institut für Nutztierwissenschaften an der Uni Hohenheim, erklärt, wie das geschieht. Tierhaltung spielt auf ihren insgesamt 256 Seiten eine wichtige Rolle, Tiergesundheit und Tierschutz. Dabei räumt sie mit Verbrauchermythen auf (Antibiotika- und Hormonbehandlungen in der Schweinezucht lassen sich beinahe ausschließen) und legt anhand wissenschaftlicher Auswertungen dar, warum Biofleisch nicht zwangsläufig besser schmeckt als konventionell erzeugtes.

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Und überhaupt: Was macht den guten Geschmack aus? Zartheit, Saftigkeit und Aroma, antwortet sie. Je nach Tierart, sie beschäftigt sich im Buch fast ausschließlich mit Schweinen und Rindern, führe dieser Dreiklang aber zwangsläufig zu „Zielkonflikten“ beim Verbraucher. Denn das objektiv leckerste Fleisch stamme letztlich aus der Intensivmast und – noch schlimmer – aus der Intensivmast in Übersee (USA und Argentinien). Aus ökologischer Perspektive ist das natürlich ein Desaster. Ein Thema, das sie jedoch nur streift, ausführliche Informationen über klimaschädliche Methanemissionen oder die ökologischen Konsequenzen des globalen Futtermittelanbaus findet man bei ihr weniger.

Dafür setzt sie den Leser ausführlich ins Bild, wie gesundheitlich wertvoll oder auch schädlich die unterschiedlichen Spielarten der Fleischeslust sein können. Sie veranschaulicht, was genussvolles Fleisch charakterisiert und klärt umfassend über Haltungs-, Schlacht- und Reifungstechniken auf. Weil sie das eben sehr wissenschaftlich tut, ist Weiler weit davon entfernt, exzessiven Fleischgenuss freizusprechen oder – im Gegenteil – komplett zum Verzicht aufzurufen. Ihr scheint es allein um einen mündigen Verbraucher zu gehen, der nach der Lektüre selbst entscheiden soll, ob und wieviel Fleisch er in Zukunft essen möchte. Der Genuss stellt den Konsumenten vor Entscheidungen, und er soll die Informationen haben, um sie für sich und seine Familie treffen zu können.

Dass die Autorin persönlich den Carnivoren zugeneigt ist, verrät schon auf dem Buchtitel die Tatsache, dass sie sich den Spitzenkoch Markus Eberhardinger ins publizistische Boot geholt hat, der zwischen den Seiten Rezepte und Zubereitungstipps einstreut. Es handelt sich dabei um wenig vegetarische Rezepte. Hilfreich liest sich deshalb Weilers Schlusskapitel: „Wie man gutes Fleisch findet“.

„Fleisch essen? Eine Aufklärung“ von Ulrike Weiler, Westend-Verlag 2016, 19,99 Euro


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