Besucht uns auch auf…

Dass manche Blumen eine bestimmte Bedeutung haben, ist für die meisten von uns nichts Neues: Eine rote Rose sagt laut „Ich liebe dich“ und wer ein Vergissmeinnicht geschenkt bekommt, weiß, dass er den Anderen nicht vergessen soll. Und eine Sonnenblume ist für uns alle ein Zeichen von Fröhlichkeit. Dies sind nur einige bekannte Beispiele, was Blumen und Pflanzen bedeuten können.

Kleines Rotklee-Sträußchen

Der Klee ist Symbol für Liebesglück und ein gegebenes Versprechen. (Foto: Shutterstock / Dionisvera)

In Zeiten, in denen Liebesbezeugungen und Gemütszustände teilweise sogar öffentlich auf Facebook verbreitet werden, scheint es fast unvorstellbar, dass in vergangenen Zeiten Gefühle zwar gezeigt, aber nicht offen ausgesprochen wurden. Stattdessen wurde über Blumen kommuniziert. Daher auch die Redewendung „etwas durch die Blume sagen“. Schon die Ägypter nahmen für einige ihrer Hieroglyphen Pflanzen und Pflanzenteile als Vorbild und auch die Griechen haben zu ihrer Zeit bereits Blumen als nonverbales Kommunikatiosnmittel genutzt.

Der Ursprung der im 18. Jahrhundert in Europa weit verbreiteten Blumensprache liegt im Orient. In den Harems der osmanischen Herrscherpaläste, den so genannten Serails, gab es ein ausgeklügeltes System, in dem die Haremsdamen mit der Außenwelt kommunizierten: Blumenkombinationen. Mit ihrer Hilfe konnten sie ihre verschlüsselten Botschaften nach außen tragen, da sie selbst den Harem nicht verlassen konnten. Jedes von ihnen hatte eine andere Bedeutung. Als die englische Schriftstellerin Lady Mary Montagu 1716 nach Istanbul reiste, weil ihr Mann als Botschafter an den osmanischen Hof berufen wurde, lernte sie hier in den Harems die Blumensprache kennen. Ihre Erlebnisse dieser Zeit veröffentlichte sie 1718 in ihren „Briefen aus dem Orient“. Und so erfuhren auch die Europäer von der Kommunikation über Blüten.

Maigloeckchenstrauß

Maiglöckchen sind ein Zeichen wiederkehrender Freude und, da sie im Frühling blühen, des Neuanfangs. (Foto: Mallivan / Fotolia.de)

Da zu dieser Zeit alles viel reglementierter war und längst nicht so offen gesprochen werden konnte wie heute, verbreitete sich die Blumensprache schnell und wurde regelrecht zur Mode. Besonders in höheren Kreisen galt eine gewisse Kenntniss der Botanik und eine Vorliebe für Pflanzen und Blumen für die Damen als schicklich. Daher erfreute sich die damals in Anlehnung an den orientalischen Begriff „Selamik“ „Selam“ genannte Sprache größter Beliebtheit. Blumen, seit jeher ein Zeichen für Romantik, eigneten sich vor allem für Liebende, die so relativ heimlich ihren Gefühlen Ausdruck verleihen, Geheimnisse austauschen und Rendezvous vereinbaren konnten.

Schnell entwickelte sich die Blumensprache weiter. Hatten zu Beginn nur einige wenige Blumen eine genaue Bedeutung, kamen nach und nach immer mehr dazu, so dass es bald ganze Bücher zu diesem Thema gab. Denn je ausgefeilter die Sprache wurde und je mehr Bedeutungen es gab, desto schneller konnte es auch zu Missverständnissen kommen. Um das zu vermeiden gab es bald in fast jedem Haushalt ein Exemplar für die Sprache der Blumen.

Eimer mit Gänseblümchen

Das Gänseblümchen ist das Symbol kindlicher Unschuld. (Foto: DoraZett / Fotolia.de)

Nicht nur einzelne Blumensorten bekamen eine Bedeutung. Auch die Anzahl der Blüten und ihre Farbe beeinflussten teilweise die Aussage und wurden verschiedene Blumen miteinander kombiniert, hatte der ganze Strauß je nach Zusammenstellung einen anderen Sinn. Ähnlich wie zum Beispiel beim Dirndl hatte auch die Ausrichtung der Schleife um das Sträußchen Einfluss darauf, was man ausdrücken wollte. Da oft niemand von dieser Kommunikation über die Blüten erfahren sollte, wurden die Blumen dem anderen nicht einfach geschenkt, sondern bei Veranstaltungen an die Kleidung gesteckt oder in der Öffentlichkeit getragen. Dann änderte sich die Bedeutung je nach Haltung des Straußes. So kehrte beispielsweise ein umgedrehter Strauß, bei dem die Blüten somit nach unten zeigten, die Bedeutung ins Gegenteil.

Manchmal kann eine bestimmte Blume auch mehrere Dinge ausdrücken, die teilweise sogar völlig gegensätzlich sind. So bedeutet zum Beispiel ein Margerite einerseits „Lass mich in Frieden“ und andererseits „Liebst du mich?“. Deshalb war es wichtig, dass die Liebenden in der gleichen Blumensprache miteinander redeten.

Wer von Euch jetzt ebenfalls mal seinen Gefühlen Ausdruck verleihen will, der findet ausführliche Auflistungen der Blumen und ihren Bedeutungen unter anderem auf den Websites von Sprache der Blumen und Fantasia Blumen.

Kleines ABC der Blumensprache

Akelei: Darf ich deinen Worten Glauben schenken?

Blumenmohn: Unvergessen ist jede Minute mit dir.

Chrysantheme (weiß): Ein Zeichen von Wahrheit und Wahrhaftigkeit

Dahlie: Ich bin dir dankbar.

Edelweiß: Du bist wunderschön.

Fingerhut: Ich habe schon schlechte Erfahrungen gemacht.

Gladiole: Ich möchte mich mit dir verabreden.

Hagebutte: Ich verstehe dich nicht mehr.

Iris: Tag und Nacht denke ich nur an dich.

Jungfer im Grünen: Ich mag deine Liebeswerbung nicht leiden.

Kastanienblatt: Ich bin so gern in deiner Nähe.

Löwenzahn: Deine Ablehnung schmerzt mich sehr.

Mädchenauge: Du bist die schönste.

Nelke (weiß): Ich bin noch zu haben.

Orchidee: Du bist traumhaft schön.

Pfingstrose: Ich muss dir ein Geständnis machen.

Quittenblüte: Zeichen des Glücks, der Freude und der Fruchtbarkeit

Rhododendron: Es droht Gefahr.

Schlüsselblume: Wie gerne würde ich den Schlüssel zu deinem Herzen erlangen.

Tannenzweig: Sei bitte nicht so mürrisch.

Veilchen (blau): Sei geduldig.

Winde: Mich wirst du nicht los.

Zypresse: Ich bin totunglücklich.


Sarah Stehr


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