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Wandern in abwechslungsreicher Landschaft, überwiegend auf schönen Pfaden, tolle Aussichten und eine perfekte Ausschilderung inklusive – das versprechen in Deutschland die zertifizierten Premiumwanderwege. Hierzu gehören auch die sogenannten Genießerpfade des Schwarzwalds. Seit wenigen Jahren beginnt einer hiervon vor den Toren des Kinzigtal-Städtchens Hausach: der Hausacher Bergsteig.

Blick vom Haseneckle ins Hauserbachtal, Genießerpfad Hausacher Bergsteig; Foto: Patrick Hahn

Typisch Schwarzwald: weite Wiesen, bewaldete Höhen und einzelstehende Höfe beim Blick vom Haseneckle ins Hauserbachtal

Wegmarkierung für Schwarzwälder Genießerpfade, Bollenhut; Foto: Patrick Hahn

Mit Bollenhut: die Wegmarkierung für die Schwarzwälder Genießerpfade

Wie alle Genießerpfade ist der Hausacher Bergsteig mit dem markanten Bollenhut-Symbol gekennzeichnet, das sich deutlich von den übrigen Wandermarkierungen des Schwarzwalds (vor allem Rauten in verschiedenen Farben) unterscheidet und daher keine Verwechslungsgefahr aufkommen lässt. An dieser Stelle schon einmal ein großes Lob an die Macher des Wegs: Die Gefahr, sich auf der 13 Kilometer langen Strecke zu verlaufen, tendiert gegen Null, wenn man an Wegkreuzungen die Augen offen hält. An einer einzigen Stelle musste ich kurz nach dem nächsten Schildchen suchen, da der Wegweiser an einer engen Gabelung nicht ganz eindeutig auf einen der beiden möglichen Wege deutete. Und ich muss zugeben: Obwohl das Kartenlesen für mich so etwas wie eine Passion darstellt, ist es schon sehr angenehm, wenn ich mich unterwegs nicht ständig neu orientieren muss und stattdessen unbeschwert treiben lassen kann – sogar ganz ohne Karte, eventuell nur mit der Wegbeschreibung der Schwarzwald Tourismus GmbH ausgestattet.
Eine weitere Annehmlichkeit der Genießerpfade sind auch die schönen Sitzgelegenheiten, die alle paar Kilometer zur Rast einladen. Teilweise sind dies nicht mehr nur schlichte Holzbänke, wie sie lange Zeit an Wanderwegen üblich waren, sondern kühn geschwungene „Himmelsliegen“. Auf diesen kann man bequem die Beine hochlegen und den Blick in die Ferne oder eben über den Himmel schweifen lassen.

Naturkühlschrank am Wanderweg Hausacher Bergsteig; Foto: Patrick Hahn

Naturkühlschrank der besonderen Art: Hier wurde der Brunnentrog mit einer hübschen Holzhütte verkleidet

Einkehrmöglichkeiten unterwegs sind nicht bei jedem Genießerpfad gleichermaßen gegeben. Der Hausacher Bergsteig kann in dieser Hinsicht nichts vorweisen, weshalb genügend Flüssigkeit und eventuell ein kleines Vesper zur Ausstattung gehören sollten. Für Durstige ist zwischendurch dennoch etwas geboten, und zwar in den sogenannten Naturkühlschränken an zwei einzelnen, auf dem Weg liegenden Höfen. Sie funktionieren ohne Elektrizität und bestehen aus massiven Brunnentrögen mit durchlaufendem, kaltem Quellwasser. Darin stehen in Kisten diverse Getränke von Wasser über Schorle, Limo und Bier bis hin zu Obstbränden und Likören bereit. Abgerechnet wird auf Vertrauensbasis: Der ehrliche Wanderer steckt seinen Obolus einfach ins fest installierte Kässchen und bedient sich – prima Idee!

Blick von der Ruine der Burg Husen auf die Altstadt von Hausach und auf das Kinzigtal; Foto: Patrick Hahn

Von der Ruine der Burg Husen fällt der Blick auf die kleine Altstadt von Hausach und auf das Kinzigtal

Doch nun zu den Landschaftseindrücken auf dem Weg: Klar ist, dass der Hausacher Bergsteig diesbezüglich nicht ganz mit den spektakulärsten Wanderwegen des Schwarzwalds wie Karlsruher Grat, Feldbergsteig oder Todtnauer Wasserfallsteig mithalten kann. Es handelt sich aber dennoch um eine rundum kurzweilige Wanderung mit einem ständigen Wechsel aus Waldpartien und offenen Wiesenabschnitten, die wunderschöne Ausblicke auf die nächsten Täler und Bergrücken freigeben. Ein kleines Highlight gleich zu Beginn der Tour ist die Ruine der Burg Husen, selbst nicht sonderlich spektakulär, aber mit einem tollen Blick aufs Kinzigtal und auf die Altstadt von Hausach. Ganz in der Nähe der Burgruine verläuft auch der Hausacher Abenteuerpfad mit 20 fantasievollen Spielstationen aus Naturmaterialen auf einer überschaubaren Strecke von 2,8 Kilometern. Einige dieser Stationen passiert man gleich zu Beginn und ganz am Ende des Genießerpfads. Angelegt wurden sie sicherlich vornehmlich für Kinder und Jugendliche, um sie fürs Spielen in der freien Natur zu begeistern. Aber wie mich selbst, so scheinen die liebevoll gestalteten Stationen an diesem schönen Frühlingstag durchaus auch größere Kinder anzusprechen …

Hauserbacherkapelle, Hauserbachtal, Genießerpfad Hausacher Bergsteig; Foto: Patrick Hahn

Fast so blau wie der Himmel: die mit Holzschindeln verkleidete Hauserbacherkapelle im gleichnamigen Tal

Zu den beschaulicheren Sehenswürdigkeiten auf dem Weg gehören zwei kleine, aber feine Gotteshäuser: Das erste, die Hauserbacherkapelle, liegt malerisch im gleichnamigen Tal und scheint mit ihren hellblauen Holzschindeln dem Himmel Konkurrenz machen zu wollen. Der frühere Hofbauer des nahen Spänlehofs ließ sie zum Dank für seine unversehrte Heimkehr aus dem Ersten Weltkrieg zu Ehren der Gottesmutter errichten. Das zweite Kirchlein, die Kreuzbergkapelle, befindet sich bereits auf dem letzten Wegabschnitt, der wiederum Ausblicke auf das Kinzigtal freigibt. Wie ein Wanderwegschild verrät, geht es nun nur noch bergab, was mir nach diversen kurzen, aber recht steilen Anstiegen durchaus gelegen kommt.
Fazit: Spaß hat er gemacht, der Hausacher Bergsteig, und dem Anspruch eines Premiumwanderwegs ist er auch ohne gewaltige Felsen oder Wasserfälle gerecht geworden. Anbei noch ein paar Eindrücke von der Tour!

Fotos: Patrick Hahn


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