Besucht uns auch auf…

Im Nationalpark Schwarzwald sind Kinder und Jugendliche als Juniorranger aktiv. Wir haben an einem Herbsttag eine Gruppe bei ihrem Streifzug durch die Natur begleitet. Dabei konnte auch feuchtkaltes Nebelwetter die gute Laune der Nachwuchs-Ranger nicht stören.

Gruppe Juniorranger mit Betreuer im Nationalpark Schwarzwald

Juniorranger unterwegs: Auf geht’s in den Wald!

Fundstücke aus der Natur: Flechten, Pilze, Zapfen und Moose im Körbchen

Fundstücke aus der Natur: Flechten, Pilze, Zapfen und verschiedene Moose im Holzkörbchen

Treffpunkt Nationalparkzentrum Ruhestein an der Schwarzwald-Hochstraße. Das markante Holzschindel-Gebäude war schon vor Gründung des Nationalparks Schwarzwald vor knapp zwei Jahren eine wichtige Adresse für den Naturschutz in der Region, nun ist es dessen zentrale Anlaufstelle. Die maximale Gruppengröße der Juniorranger beträgt hier zwölf – es gehört zur festen Konzeption, jedem Kind die ihm gebührende Zuwendung entgegen zu bringen. Die heutige Gruppe besteht aus sechs Kindern im Alter von acht bis elf Jahren. Die meisten von ihnen nehmen schon im vierten Jahr hintereinander an diesem Programm teil. Es handelt sich also um einen Fortgeschrittenen-Kurs, bei dessen Teilnehmern schon ein gründliches Verständnis für die Natur zu erkennen ist. Fünfmal pro Jahr treffen sie sich zu spannenden Exkursionen, wobei es jedes Mal um andere Schwerpunkte wie unterschiedliche Tier- oder Pflanzengruppen sowie Gebietskenntnisse und natürlichen Zusammenhänge im Wald geht. Diesmal im Fokus: Moose und Pilze, die nun bei feuchtem Herbstwetter bestens sprießen.

Juniorranger mit Betreuer im Nationalpark Schwarzwald

Auf einem großen Felsblock gibt es so einiges zu entdecken! Vorne Nationalpark-Ranger Charly Ebel, hinten mit grüner Mütze seine Kollegin Kerstin Musso

Begleitet werden die Kinder von zwei erwachsenen Nationalpark-Mitarbeitern, Kerstin Musso und Charly Ebel. Beide engagieren sich seit etlichen Jahren für die Natur- und Wildnispädagogik im Schwarzwald, also schon wesentlich länger, als der Nationalpark offiziell existiert. Charly Ebel ist ein echtes „Urgestein“, er gehört zu den Gründungsmitgliedern der Naturschutz-Einrichtung am Ruhestein. Auch Kerstin Musso ist schon lange dabei, anfangs brachte sie sich noch ehrenamtlich ein, heute arbeitet sie hauptberuflich für dieses bedeutende Großschutzgebiet im Nordschwarzwald. Die ausgebildete Erzieherin erklärt mir, warum es so wertvoll ist, die Kids schon von klein auf mit wildnishafter Natur vertraut zu machen: „Die jüngeren Kinder nehmen die Dinge über all ihre Sinne noch viel stärker wahr. Sie lernen ganz spielerisch, die Natur zu verstehen.“ Ihr Credo: „Nur das, was ich kenne, kann ich bewusst wahrnehmen – und eben auch vermissen, wenn es aus irgendeinem Grund verschwinden würde.“ Kerstin Musso ist es ein wichtiges Anliegen, die Achtsamkeit der Kinder zu fördern und ihre Sinne für natürliche Zusammenhänge zu schärfen. Sie sollen über die Vielfalt der Schöpfung staunen können sowie ein ästhetisches Verständnis für das gleichzeitig stattfindende Werden, Wachsen, Altern und Sterben entwickeln. Schließlich geht es in einem Nationalpark darum, die Natur Natur sein zu lassen.

Juniorranger beim Sammeln von Moosen im Schwarzwald

Juniorranger Lukas, Jack und Jannis sammeln im unwegsamen Gelände Moose

Die Gruppe startet wie gewöhnlich an einem Werktag-Nachmittag, nach der Schule um 15 Uhr – also gerade noch rechtzeitig, um in der Herbstzeit für drei Stunden in den Wald ziehen und vor Einbruch der Dunkelheit wieder zurück sein zu können. Der Nebel hat sich seit den Mittagsstunden glücklicherweise ein wenig gelichtet, sodass zumindest die Hand vor Augen wieder zu erkennen ist und die beiden Betreuer keine Mühe haben, die Gruppe im Blick zu behalten. Dies erscheint bei sechs Teilnehmer nicht schwierig zu sein. Doch sobald die Juniorranger eine konkrete Aufgabe im Wald bekommen, schwärmen sie ohne Zögern alleine oder auch in Zweier-/Dreiergrüppchen in alle Richtungen aus.
Zunächst gilt es, möglichst viele unterschiedliche Moos-Arten zu suchen und jeweils ein kleines Stück davon im Körbchen oder Eimer zu sammeln. Dabei ist genaues Hinsehen gefragt, da sich viele Moose auf den ersten Blick sehr ähneln. Doch die Kinder, die heute mit kleinen Lupen unterwegs sind, haben bereits einen geschulten Blick und kommen nach etwa einer Viertelstunde wieder zusammen, um die Fundstücke zu vergleichen. Dazu wird ein Kreis gebildet, alles in die Mitte auf den Boden gelegt und sorgfältig sortiert.

Juniorranger und Betreuer beim Bestimmen von Moosen im Schwarzwald

Juniorranger-Gruppe mit Betreuern beim Bestimmen der Fundstücke

Juniorrangerin nimmt Moos unter die Lupe

Michelle nimmt das Moos genau unter die Lupe

Nun liegt es an Charly Ebel, dem ausgebildeten Geowissenschaftler und fundierten Botaniker, die Pflanzen nicht nur beim Namen zu nennen, sondern auch einige Geheimnisse rund um die Lebensweise dieser spannenden Gewächse zu lüften. Seine Kollegin Kerstin Musso ergänzt ihn dabei bestens, sie hat ein feines Gespür dafür, an welcher Stelle es für die Junioren etwas zu fachlich werden könnte und wichtige Informationen in eine kindgerechte Sprache übersetzt werden müssen. Besondere Freude haben die Nachwuchs-Ranger daran, den Pflanzen Fantasie-Namen zu geben, die zwar nicht der strengen Wissenschaft entsprechen, aber eine gute Eselsbrücke für das gerade Kennengelernte bilden. Zu den heute gefundenen Moosen gehören unter anderem Schönes Frauenhaar, Etagen-, Stern- und Torfmoos. Dazwischen gemogelt hat sich der Bärlapp, der zwar nicht zu den Moosen zählt, aber einige Ähnlichkeit mit diesen besitzt und ebenso zu einer erdgeschichtlich betrachtet sehr alten Pflanzengattung gehört.

Juniorranger beim Mikroskopieren von Moosen

Michelle, Jana, Jannis, Jack und Mathieu beim Mikroskopieren von Moosen

Nachdem auch noch einige Pilze wie Pfifferling, Klebriger Hörnling und Kirschroter Saftling in den Sammelbehältnissen gelandet sind, geht es zurück zum Nationalparkzentrum und rein in den Seminarraum. Hier gibt es eine ganze Reihe guter Mikroskope, mit denen die Fundstücke aus der Natur noch genauer untersucht werden können. Für die Kinder bietet dies Einblicke in die fantastische Formenvielfalt der Pflanzenwelt – und schon mal einen Vorgeschmack auf den Kurs im kommenden Jahr: Bei diesem solle es nämlich noch etwas stärker ums wissenschaftliche Arbeiten gehen. Im Mittelpunkt wird aber auch dann wieder das Umherschweifen in der Natur stehen und als besonderes Abenteuer gibt es eine Übernachtung unter freiem Himmel im Wald, ganz ohne Zelt und auf einem selbst gebauten Bett aus Naturmaterialien. Die Aussicht darauf lässt einige Kinderaugen funkeln, einigen scheint es beim Gedanken daran aber noch etwas mulmig zu sein. Doch die erwachsenen Ranger werden es sicher schaffen, ihnen diese Sorgen zu nehmen – genauso gut, wie sie ihnen bisher den Respekt vor der Natur vermittelt haben.

Credits: Patrick Hahn


Ein Kommentar zu “Juniorranger im Nationalpark Schwarzwald

Schreibe einen Kommentar

Datenschutz Datenschutzanfrage-Formular