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Egal, ob Fuchs, Luchs oder Fledermaus – Klaus Echle hatte sie alle schon vor der Linse. Dass der Freiburger Förster heute ein erfolgreicher Naturfotograf ist, verdankt er einem Zufall. Denn wäre alles so gelaufen, wie geplant, würde er heute nicht hinter der Kamera stehen, sondern am Herd. Warum dank seiner Frau und einigen Fledermäusen alles anders gekommen ist, verrät er im Interview.

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Der Füchsin Sophie kam Klaus Echle besonders nah – bzw. sie ihm. Der Fotograf hat das Wildtier ein halbes Jahr lang begleitet. (Foto: Klaus Echle)

Herr Echle, Sie sind eigentlich gelernter Koch. Warum haben Sie diesen Beruf an den Nagel gehangen und sich stattdessen zum Förster ausbilden lassen?

Ich komme aus einer Gastro-Familie und sollte eigentlich den Betrieb meiner Eltern übernehmen. Mein beruflicher Werdegang war quasi schon vorgezeichnet. Mir hat die Ausbildung zum Koch auch Spaß gemacht, aber so richtig konnte ich mir nie vorstellen, dass ich mein ganzes Leben lang in der Gastronomie arbeiten werde. Aber ich dachte, das kommt bestimmt mit dem Alter.

Tat es aber nicht…?

Nein. Ich wohnte damals mit einem Freund zusammen, der Forstwirtschaft studierte. Ehrlich gesagt, ich wusste damals fast nichts über diesen Beruf. Aber wir sind zusammen öfter in den Wald gegangen, um beispielsweise Brennholz zu holen. So habe ich den Beruf kennengelernt und gedacht: Das ist das Richtige für mich.

Und wie kamen Sie zur Fotografie?

Ich hatte mich schon länger dafür interessiert. Von meinem ersten selbst verdienten Geld habe ich mir dann eine kleine Kamera gekauft. Zuerst habe ich aber nur Architektur- oder Landschaftsbilder gemacht.

Wie sind Sie dann von Bauwerken auf Tiere gekommen?

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Die Fledermaus: Nicht das schönste Tier der Welt, aber für Klaus Echle sehr faszinierend und der Grund warum er heute erfolgreicher Tierfotograf ist. (Foto:Klaus Echle)

Eine andere Leidenschaft von mir ist die Biologie oder Naturwissenschaft. Mitte der 90er Jahre habe ich für die „Aktionsgemeinschaft Fledermausschutz“ die Öffentlichkeitsarbeit gemacht. Aber mir ist schnell klar geworden, dass ich kein Verständnis oder Interesse für diese Tiere wecken kann, wenn ich sie nicht zeige. Damals war es aber verpönt Fledermäuse zu fotografieren, weil man sie stören könnte. Deswegen musste ich mir Fotografien von Wissenschaftlern ausleihen, die ich aber überhaupt nicht schön fand. Ich bin dann losgezogen und habe doch selbst welche gemacht. Den Mut, jemandem diese Bilder zu zeigen, hatte ich aber nicht. Meine Frau musste das dann übernehmen. Sie hat sie Dieter Nill gezeigt, einem befreundeten professionellen Fotografen. Der hat dann zu ihr gesagt: „Dem kannst du eine anständige Kamera kaufen.“ Das hat sie dann auch getan.

Also war das erste Tier, das Ihnen vor die Linse gekommen ist, eine Fledermaus?

Genau. Mir ging es nicht einfach nur darum, zu zeigen, wie das Tier aussieht. Sind wir ehrlich, Fledermäuse sind nicht die attraktivsten Geschöpfe, die es gibt. Aber von ihnen geht eine große Faszination aus – und die wollte ich einfangen. Ich wollte Bilder machen, die es so noch nicht gegeben hat, mit meiner ganz eigenen Bildsprache. Auch wenn das heißt, dass man vielleicht nur die Silhouette einer Fledermaus sieht. Die Wissenschaftler fanden meine Bilder damals übrigens ganz schrecklich.

Haben Sie denn jemals einen Fotokurs gemacht?

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Ein Fotomodell zeigt Zähne. (Foto: Klaus Echle)

Ich habe nie einen Fotokurs besucht und Fotozeitschriften lese ich auch so gut wie nie. Ich habe auch noch nie eine Gebrauchsanweisung für eine Kamera gelesen. Ich lasse mir das immer gern von anderen erklären. Ich hatte ja mit Dieter Nill einen tollen Mentor. Aber auch wenn ich heute eine neue Kamera kaufe, rufe ich einen bekannten Fotografen an, von dem ich weiß, dass er das gleiche oder ein ähnliches Modell hat und lasse mir von ihm erklären, wie diese oder jene Einstellung funktioniert.

Wie entstehen denn Ihre Bilder? Spontan oder planen Sie Ihre Fotos?

Ich plane jedes meiner Bilder. Wenn ich zum fotografieren in den Wald gehe, dann habe ich immer ein Bild im Kopf.

Das funktioniert?

Manchmal klappt es, manchmal auch nicht. Manchmal fotografiere ich tolle Situationen und bin ganz begeistert. Wenn ich die Bilder dann zu Hause durchsehe, bin ich enttäuscht, dass ich die Situation doch nicht so toll eingefangen habe, wie ich dachte. Aber nach ein paar Wochen gefallen mir die Fotos dann doch wieder.

Sie liegen für ein Bild schon mal stundenlang auf der Lauer oder lassen sich mit einem Kran in die Höhe ziehen – gab es da schon mal brenzlige oder gefährliche Situationen?

Eigentlich nicht. Ich weiß ja, was ich tue, und gehe kein unkalkuliertes Risiko ein. Ich habe zum Beispiel extra einen Seilkletter-Kurs gemacht. Da mache ich mir mehr Sorgen um meine Fotoausrüstung. Wenn ich in einem Schacht hänge, in dem es 50 Meter in die Tiefe geht, da wäre es schlecht, wenn mir da die Kamera runter fällt.

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Die Füchsin Sophie vor dem blauen Abendhimmel. (Foto: Klaus Echle)

Wie nah kommen denn die Tiere der Kamera?

Manchmal sehr nah. Wenn ich mit einer Fotofalle arbeite, habe ich schon mal eine Nase direkt in der Linse. Das ein oder andere Fotomodell beißt auch gern mal ins Objektiv.

Sie hatten ja auch ein tierisches Fotomodell, dem Sie besonders nahe kommen durften. Die Füchsin Sophie, die Sie von Frühsommer bis Dezember 2010 begleitet haben. Was hat Sophie so besonders gemacht?

Sie war unheimlich zutraulich. Ich habe in diesem halben Jahr wirklich sehr viel Zeit im Wald verbracht. Irgendwann habe ich Sophie nur noch „meine rothaarige Geliebte“ genannt. An einem nebligen Sonntag waren meine Schwiegereltern zu Besuch. Das Wetter war ideal, um ein paar Bilder von Sophie zu machen. Also fragte ich meine Frau, ob es in Ordnung wäre, wenn ich zu „meiner rothaarigen Geliebten“ fahren würde. Sie hat mir viel Spaß gewünscht und gefragt, ob es denn heute wieder länger werden würde. Meine Schwiegermutter, die danebensaß, hätte fast ihre Kaffeetasse fallen lassen. Dann haben wir schnell aufgeklärt, dass „meine rothaarige Geliebte“ eine Füchsin ist.

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Ein ganz besonderer Moment für Klaus Echle – die Füchsin vertraut ihm so sehr, dass sie in seiner Gegenwart tief und fest schläft. (Foto: Klaus Echle)

Gab es denn eine besondere Situation mit Sophie, die Ihnen im Gedächtnis geblieben ist?

Ja, das war genau an diesem Sonntag, als meine Schwiegereltern zu Besuch waren. Als ich an diesem Tag in den Wald gekommen bin, habe ich schnell gemerkt, dass Sophie ziemlich k.o. war. Es war fast wie bei einem Kind: Sie war hundemüde, kam aber nicht zur Ruhe. Ständig sind Wanderer oder Sportler vorbeigekommen und Sophie ist aufgeschreckt. Nachdem ich eine Zeit lang in Ihrer Nähe gesessen hatte, hat sie sich bequem hingelegt und die Augen zugemacht. Irgendwann hat sie geschnarcht. Sie ist richtig weg gewesen. Es hat sich für mich angefühlt, als hätte sie die Verantwortung an mich abgeben. Nach dem Motto: „Der passt schon auf.“ Dass sie mir so vertraut hat, hat mich schon sehr gerührt.

Sie haben zusammen mit Anna Rummel sogar ein Buch über diese Begegnung herausgebracht.

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Das Buch „Fuchs ganz nah“ (14,99 €) erschien 2013 im blv-Verlag. Hier erzählen Klaus Echle und Anna Rummel wie sie Sophie kennenlernten, wie die Füchsin zu ihrem Namen kam und warum die tierische Freundschaft ein jähes Ende fand.

Ja, obwohl das ursprünglich gar nicht geplant war. Aber mit den Bildern, die ich von Sophie gemacht habe, habe ich 2011 den Fritz Pölking Preis gewonnen. Das brachte mir viel Aufmerksamkeit und ich bekam öfter Mails mit der Bitte, derjenigen Person doch bitte das Buch über Sophie zuzuschicken – es gab nur keins. Dann kam der blv-Verlag auf mich zu. So ist „Fuchs ganz nah“ entstanden. Anna Rummel hat die Texte geschrieben und ich habe die Bilder beigesteuert.

Sie haben schon einige Titel gewonnen, unter anderem „Europäischer Naturfotograf“ oder „Wildlife Photographer of the Year“, was bedeuten Ihnen solche Auszeichnungen?

Es ist ja irgendwie immer eine Glückssache, ob die Bilder den Geschmack der Jury oder den Zeitgeist treffen. Aber so ein Titel ist natürlich eine tolle Werbung und es hilft einem, in bestimmte Kreise reinzukommen. Ich finde es toll, dass ich mich mit Natur-Fotografen austauschen kann, die ich selbst toll finde, wie Jim Brandenburg, Vincent Munier oder Bruno D’Amicis.

Sie fotografieren hauptsächlich heimische Wildtiere. Warum?

Ich fotografiere ausschließlich heimische Wildtiere. Ich habe mir vor 12 Jahren gesagt, dass ich nicht mehr ins Ausland fahre, um Tiere zu fotografieren. Damals hatte ich eine Fotoreise nach Griechenland und Bulgarien unternommen. Das war gar nicht meins. Wir sind ständig von einem Platz zum anderen gezogen und hatten überhaupt keine Zeit die Tiere zu beobachten. Hier in Baden-Württemberg kann ich viel mehr Zeit mit den Tieren verbringen – nicht nur zwei oder drei Wochen. Seitdem fotografiere ich alles, was vor unserer Haustür kreucht und fleucht.

Sie halten auch Vorträge.

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Durch seinen Beruf als Förster ist Klaus Echle ständig in der heimischen Natur unterwegs und kann sich noch immer nicht an ihrer Schönheit sattsehen. (Foto: Klaus Echle)

Genau. Im Rahmen der Mundologia-Reihe. Das ist ja das spanische Wort für „Weltkenntnis“. Und ich finde, wenn man die Welt kennenlernen möchte, sollte man die eigene Heimat nicht auslassen. Wir haben vor der Haustür so eine tolle Flora und Fauna. Man muss nicht nach Malaysia fliegen, um tolle Landschaften zu sehen. Schon allein der Rhythmus unserer Jahreszeiten ist so faszinierend. Warum in ein Land fahren, wo es immer zur gleichen Zeit dunkel wird?

Welches Tier möchten Sie unbedingt noch fotografieren?

Mein Wunsch ist es, Bilder von einem Wolf in freier Wildbahn zu machen. Baden-Württemberg ist ja „Wolfserwartungsland“. Ich könnte also Glück haben. Theoretisch könnten morgen schon die ersten Wölfe durch unsere Wälder streifen.

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Hier mal vor der Kamera: Der Fotograf Klaus Echle. Tiere dürfen trotzdem nicht fehlen. (Foto: Klaus Echle)

Fotos: Klaus Echle

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Michaela Seide


5 Kommentare zu “Klaus Echle: Tieren ganz nah

  1. Erstaunlich, über welche Umwege Menschen manchmal ihre Berufung finden. Sehr interessant zu lesen!

  2. Sehr geehrter Herr Echle, die Bilder mit „Ihrer“ Füchsin sind irgendwie schön und berührend zugleich. Ich selber mag auch sehr gern in der Natur sein und bin immer wieder seelig wenn mir Reh und Co. über den Weg und gern auch vor die Linse läuft. Danke für diese wundervollen Bilder. Liebe Gruß aus Sachsen – wo es schon wieder Wölfe gibt.

  3. Upps, ich habe natürlich gerade mitbekommen, dass ihr das ja gebloggt habt, aber vielleicht könnt ihr ja das Feedback weiterleiten und euch ein großes Dankeschön für das Interview. LG Jacqueline

  4. Liebe Jacqueline,

    vielen Dank für Ihre freundliche Nachricht. Ich habe das schöne Kompliment an Herrn Echle weitergeleitet, der sich sicher über das Lob freuen wird. Genauso wie wir :-)
    Wir hoffen, dass wir Sie weiterhin mit unseren Geschichten begeistern können.

    Viele herzliche Grüße
    Michaela

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