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Silvius Wodarz ist Forstbeamter und setzt sich stark für Umwelt-und Naturschutz ein. 1972 gründete er den Verein Baum des Jahres, der seit 2007 als Baum des Jahres Stiftung agiert. Im Interview spricht er über seine Lieblingsbäume und seine besondere Bindung zum Wald.

WodarzHerr Wodarz, sie haben Forstwissenschaften studiert. Wussten sie schon früh, was sie mal werden wollen?

Ich wuchs auf dem Land auf und wurde schon als Jugendlicher immer zur Jagd mitgenommen. Meine Verbindung zum Wald und zu den Bäumen wurde mir also in die Wiege gelegt. Der Wald ist für mich mehr als nur Bäume. Wenn man sich diesen Satz einmal genau überlegt, versteht man, was ich damit meine.

Und was meinen sie damit?

Die Menschen sehen Bäume oft nur als Rohstoff, als eine Ware. Sie sind aber mehr als das. Sie sind Lebensraum für viele Tiere und Pflanzen und sie regeln das Klima. Der Wald ist eine Lebensgemeinschaft, deren oberste Schicht die Baumkronen sind.

Wieso haben sie sich entschlossen, die Baum des Jahres Stiftung zu gründen?

Wie ich schon sagte, ein Baum ist mehr als ein Baum. Die Stiftung gibt es erst seit 2006. Davor, also von 1972 bis 2006, waren wir noch der Verein Baum des Jahres. Anfang der 80er Jahre hat dann die Diskussion um das Waldsterben nicht nur die Forstleute erreicht, sondern auch Naturschützer und die Bevölkerung bewegt. Sie haben ihren Blickwinkel erweitert. Heute gibt es so viele Tage für irgendetwas: Tag der Gehörlosen, Tag der Insekten oder auch einen Vogel des Jahres. Ein Baum begegnet einem eigentlich jeden Tag. Da habe ich mir gedacht, wieso nicht auch ein Baum des Jahres auswählen.

Was macht die Stiftung genau?

Wir machen PR für Bäume, insbesondere für den Baum des Jahres. Wir möchten den Bäumen eine Stimme geben. Und durch unsere Stiftung werden auch Bäume bekannt, die sonst vielleicht in Vergessenheit geraten.

Die Stieleiche war der erste Baum, den sie 1989 zum Baum des Jahres auserkoren haben. Nach welchen Kriterien entscheiden sie, welcher Baum es wird?

Es gibt das Kuratorium Baum des Jahres. Jedes Mitglied dieses Kuratoriums schlägt Bäume vor. Wir diskutieren dann in der Runde, welche drei Bäume in die Endauswahl kommen. Natürlich können nicht alle Mitglieder immer anwesend sein. Deshalb schicken wir die drei finalen Bäume an alle Mitglieder und jedes Mitglied stimmt mit einem Kreuz ab, für welchen Baum es sich entscheidet. Und dadurch kommt der Baum des Jahres zustande.

Heuer ist die Traubeneiche zum Baum des Jahres gekürt worden. Hat es spezielle Konsequenzen für diese Baumart? Werden dann gerade diese gepflanzt?

Nein, Konsequenzen hat es keine. Natürlich kann man diesen Baum dann pflanzen und wir sagen den Leuten dann auch, wo man diese Bäume bekommt. Aber es gibt keine spezielle Zeremonie oder Pflanzaktion.

Haben sie seit Gründung der Stiftung Verbesserungen der Wälder in Deutschland erlebt?

Das kann man so nicht beantworten. Bis sich Wälder regenerieren, bis Bäume nachwachsen, das dauert schon mal 30 Jahre und mehr. Aber generell würde ich sagen, geht es unseren Wäldern nicht so schlecht. Es wird besser.

Was heißt nicht schlecht?
Unsere Wälder sind labil aber nicht dramatisch bedroht. Wir haben 30% Waldfläche in Deutschland. Wir brauchen Holz, das ist ganz klar. Und da finde ich es schlimmer, Holz von Schweden oder sonst woher zu importieren, um unsere Wälder zu schützen. Wenn man bei uns nur soviel entnimmt wie man braucht, ist das völlig in Ordnung. Dramatisch ist eher unser menschliches Tun im Regenwald. Das kann man nicht mehr gut machen.

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Die Traubeneiche ist Baum des Jahres 2014

Was können wir von der Natur lernen?

Dass sie stärker ist als wir Menschen.

Was ist ihr Lieblingsort im Wald?

Der ist in einem Waldkindergarten.

Ein Kindergarten im Wald?

Ja genau. Die Kinder haben nur eine Hütte, als Unterschlupf, wenn man so will. Sonst spielen sie nur mit dem, was der Wald ihnen gibt. Das können sich manche von uns nicht vorstellen, bei dem Spielzeugangebot, was Kindern heutzutage zur Verfügung steht. Aber die Kinder mögen es so. Wenn sie durch den Wald tollen, mit Ästen und Blättern spielen oder sich Figuren aus Holz basteln. Das ist wirklich schön zu beobachten.

Ist das dann nicht sehr laut? Im Wald sollte man sich ja eher unauffällig verhalten.

Ja, natürlich ist das laut. Kinder sind immer laut. Aber der Wald gewöhnt sich daran. Und irgendwann ist es dann wie Vogelzwitschern. Die Kinder machen ja nichts kaputt. Das bringt man ihnen natürlich vorher bei.

Sie waren ja sicherlich schon in mehreren Wäldern Deutschlands unterwegs: Wo war es für sie am schönsten?
Für mich war es im Spreewald sehr schön. Aber das sage ich jetzt auch nur, weil ich da gerade war. Der bayrische Wald gefällt mir auch sehr gut. Ich denke, mir würde es in jedem Wald gefallen.

Welche Geräusche des Waldes mögen sie besonders gerne?
Ich lasse mich immer überraschen. Ich gehe nicht in den Wald und sage. Jetzt möchte ich Blätter rascheln hören. Das kommt von alleine und die Geräusche sind immer unterschiedlich. Aber am liebsten mag ich schon das Blätterrauschen, den Vogelgesang und auch mal den Brunftschrei eines Hirsches

Welche Bäume sind für sie besonders, sind aber schon in Vergessenheit geraten?

Die Elsbeere. Sie wächst nicht direkt im Wald, weil sie viel Licht braucht, sondern eher am Waldrand oder auch mal frei auf der Wiese. Leider gibt es sie nicht mehr so oft.

Was ist ihr Lieblingsbaum?
In den Alpen sind es die Zirbelkiefer und die Europäische Lärche. Im Bayerischen Wald und im Schwarzwald die Weißtannen. Sie sind so mächtig und wunderschön.


Eva Goldschald


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