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Der traut sich was: Der Fuchs Sniffer neckt seine Freundin, die Schäferhündin Tinni

Ein Hund und ein Fuchs toben im Wald miteinander herum. Sie springen über Baumstümpfe, liefern sich ein Wettrennen und wagen sich auf einen gefrorenen Teich. Dabei stupst der Fuchs den Hund immer wieder an, will mit ihm spielen. Diese Freundschaft zwischen zwei Tierarten ist sehr selten und ungewöhnlich. Sie ergab sich in einem Wald in Norwegen und hielt fast sechs Monate. Der Fotograf Torgeir Berge hat die Begegnungen von Tinni, seiner Schäferhündin, und Sniffer, dem Fuchs, mit Bildern und Videos festgehalten und ein Buch daraus gemacht. Berit Helberg lieferte dazu einen Text in einfacher aber poetischer Sprache. Nicht nur für Kinder, sondern auch für Erwachsene, die die Natur und Tiere lieben, ist dieses Buch lesenswert. Verena von Mein schönes Land hat mit dem Fotografen über die Entstehung von „Tinni und Sniffer. Eine abenteuerliche Freundschaft“ gesprochen.

MSL: Herr Berge, wie geht es ihrer Hündin Tinni und vor allem, wie geht es Sniffer?

Berge: Tinni geht es gut. Sniffer sehen wir nun nicht mehr so oft wie damals, als er noch ein Welpe war. Jetzt ist er zwei Jahre alt und lebt im Wald. Er macht das, was ein normaler Fuchs so macht. Ich glaube, er hat mittlerweile eine Familie.

MSL: Wo und wie hat die Geschichte von Tinni und Sniffer begonnen?

Berge: Wir wohnen etwa 50 Kilometer südlich von Oslo. Im Mai 2013 haben Tinni und ich – wie so oft – einen langen Spaziergang durch den Wald gemacht. Auf einmal sprang Tinni ein kleines rotes Büschel entgegen: Sniffer. Er war gar nicht scheu. Das ist für einen Fuchs sehr ungewöhnlich. Mir ist eingefallen: Einige Tage bevor wir Sniffer entdeckten, hatten wir eine Füchsin gesehen, die nur noch drei Beine hatte. Das muss seine Mutter gewesen sein, die sich nicht mehr um ihre Welpen kümmern konnte. Außerdem habe ich einen verhungerten Welpen entdeckt – wahrscheinlich Sniffers Bruder. Mir war klar: Ich muss mich um das kleine Fellknäuel kümmern!

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Sniffer war noch ganz klein, als er von dem Fotografen Torgeir Berge und seiner Hündin entdeckt wurde

MSL: Was haben Sie gemacht und wie hat sich Tinni verhalten?

Berge: Ich habe etwas Hundefutter in die Nähe des Ortes gelegt, an dem wir Sniffer gefunden hatten. Jeden Tag sind wir dorthin gegangen, um neues Futter zu bringen. Dabei habe ich darauf geachtet, den Fuchs nicht zu berühren. Nach zwei Wochen ist er dann zu uns in den Garten in einen Unterschlupf gezogen. Von da an haben wir gemeinsame Spaziergänge gemacht. Tinni und Sniffer haben sich schnell aneinander gewöhnt. Sie tollten herum, kämpften miteinander, aber vertrugen sich immer wieder. Insgesamt blieb Sniffer fast ein halbes Jahr bei uns im Garten.

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„Los, spiel mit mir!“, scheint Sniffer seiner Freundin Tinni zuzurufen

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Auf Baumstämmen herumtollen fällt dem gelenkigen Sniffer etwa leichter als Tinni

MSL: Ich finde es sehr schön, dass beide wie Menschen miteinander sprechen. Es gibt eine Unterhaltung, als Tinni und Sniffer auf einen Wilderer treffen und Tinni seinem Freund erklärt, dass der Mann gefährlich sein kann, weil er es auf Fuchsfell abgesehen hat. Geht es Ihnen bei dem Buch darum, auf das Tragen von Pelz aufmerksam zu machen und es anzuprangern?

Berge: Ja, absoult. Ich sage immer „der Fuchs ist der Hund des Waldes“. Füchse und Hunde haben ähnliche Bedürfnisse. Auch ihre „Sprache“, die Gesten und Bewegungen sind ähnlich, obwohl Tinni fast 40 Kilogramm wiegt und Sniffer damals nur 8. Dass Füchse in Käfige eingesperrt werden, damit man ihnen das Fell über die Ohren ziehen kann, das finde ich einfach schrecklich. Füchse sollten geschützt und der Handel mit Pelz verboten werden.

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Über sechs Monate hinweg fotografierte Berge die beiden Freunde. Hier tasten sie sich durch den norwegischen Schnee

MSL: Tinni und Sniffer sind in Norwegen richtig bekannt geworden. Sie haben einen Facebook-Account, auf dem sie Fotos und Videos teilen.

Berge: Ja, ich wollte ihre Geschichte erzählen, weil ich es wichtig finde, die Rechte der Füchse zu stärken. Viele Menschen sehen das genauso. Ich bekomme positive Rückmeldungen.

MSL: Wie viele Fotos haben sie etwa gemacht?

Berge: Also bis jetzt habe ich über 5000 Fotos von der Zeit mit Sniffer.

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MSL: Und dann ist Sniffer erwachsen geworden?

Berge: Ja, dann kam er in die Pubertät, wollte eine eigene Familie gründen und zog hinaus in den Wald. Manchmal vermisse ich ihn. Tinni sicherlich auch.

MSL: Herr Berge, vielen Dank für das Gespräch.

Ein Video von Tinni und Sniffer:

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„Tinni und Sniffer. Eine abenteuerliche Freundschaft“

Torgeir Berge & Berit Helberg

Narayana Verlag; 105 Seiten; 19,80 Euro


Verena Schmidt


2 Kommentare zu “Tinni & Sniffer – eine tierische Freundschaft

  1. Das ist einfach unglaublich und einmalig schön eine solche Tierfreundschaft zu sehen
    Liebe Grüsse Angela

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