Besucht uns auch auf…

In ihrem Buch „Weihnachten wie’s früher war“ erzählt die Autorin Inge Friedl die Geschichten und Anekdoten von Weihnachten in früheren Zeiten. Wie es zu dem wunderschönen und nostalgisch angehauchten Buch kam, erzählt sie im Interview.

 

Verena Schmidt, MSL: Frau Friedl, wie kamen Sie auf die Idee ein Buch über das „Weihnachten von früher“ zu schreiben?

Inge Friedl: Schon seit mehr als 10 Jahren führe ich Gespräche mit älteren Menschen und lasse mir erzählen, wie es früher war. Ich fahre in die Dörfer und sitze dann in der Stube oder am Küchentisch mit meist recht vielen GesprächspartnerInnen und höre einfach stundenlang zu. So erfahre ich hautnah tolle Geschichten – wie über Weihnachten.

MSL: In welcher Region haben Sie sich umgehört?

Inge Friedl: Fast in ganz Österreich. Meine Interviewpartner stammen aus Wien, Oberösterreich, Steiermark, Kärnten, Salzburg…

MSL: Woher stammen Sie selbst?

Inge Friedl: Ich lebe in Graz, bin aber am Land, in der Obersteiermark geboren.

MSL: War früher Weihnachten wirklich besser, romantischer? 

Inge Friedl: Nicht unbedingt besser, sondern anders. Warum? Weil die Umstände noch bis vor wenigen Jahrzehnten vollkommen andere waren als heute: Ohne Einkaufszentren und Online-Angebote mit ihrem überbordenden Warenangebot war das Schenken einfacher: Noch bis in die 1970er Jahre musste man für Weihnachtseinkäufe in die nächste größere Stadt fahren. Dadurch und durch die damals meist beschränkten finanziellen Mitteln reduzierte sich die Geschenkflut automatisch … Deshalb war Advent und Weihnachten ruhiger, stiller und auch einfacher, vielleicht auch besinnlicher.

MSL: Gab es Ihrer Meinungen nach Unterschiede in der Stadt und auf dem Land hinsichtlich des Weihnachtsfestes?

Inge Friedl: Am Land wurde länger als in der Stadt sehr traditionell gefeiert. Man war mehr in den Rhythmus der Jahreszeiten eingebettet und erlebt die Weihnachtszeit noch viel stärker als dunkle und ruhige Zeit. Die Arbeit draußen war getan und man konnte sich mehr im Haus aufhalten –allein dadurch entstand oft schon Gemeinschaft und Besinnlichkeit in den kürzer gewordenen Tagen.

MSL: Haben Sie ansonsten Besonderheiten aus den Gesprächen heraus gehört?

Inge Friedl: Den größten Unterschied in der Vorweihnachtszeit sieht man zwischen evangelisch und katholisch geprägten Gebieten. In Bayern und Österreich war der Advent Fastenzeit und das Heilig-Abend-Essen traditionell Karpfen oder – ganz korrekt erst nach der Mitternachtsmette – Bratwürste. Im Norden hingegen gab es Gans und Truthahn.

MSL: Gibt es einen Konsens darüber, was Weihnachten früher ausmachte?

Inge Friedl: Mehr als heute stand der christliche Sinn des Festes im Vordergrund. Der ursprüngliche Sinn des Wortes Advent ist heute leider fast in Vergessenheit geraten. „Advent“ bedeutet Ankunft. Für Christen ist es die Zeit der Vorbereitung auf die Geburt Jesu. Dieses Warten auf Weihnachten und die Vorfreude darauf hat früher stark die Adventszeit geprägt. Heute nimmt man Weihnachten oft schon im Advent vorweg – was Deko, essen und feiern betrifft.

MSL: Was war in Ihrer Kindheit typisch für das Weihnachtsfest?

Inge Friedl: Das Glöckchen läutet, man tritt ins Zimmer und ist völlig überwältigt vom Anblick des Christbaumes und der Kerzen. Auf jeden Fall gab es Sternwerfer (Wunderkerzen) und viel Lametta. Es wurde mindestens ein Lied gesungen und die Weihnachtsgeschichte aus der Bibel vorgelesen. Geschenke gab es nicht so viele – dafür sind mir noch fast alle in Erinnerung. Ich hab dann den ganzen Abend damit gespielt und die Bücher (die immer unter dem Baum lagen) wurden dann in den nächsten Tagen verschlungen. Zu essen gab es den Karpfen, der bis dahin einige Tage in unserer Badewanne gelebt hatte.

MSL: Welche Bräuche strukturieren das Weihnachtsfest?

Inge Friedl: Das Wort „Brauch“ kommt von brauchen. Überlegen wir uns doch, was wir brauchen und was uns guttut. Ich finde den Rhythmus der vier Adventsonntage gut. Der erste Advent hilft uns, uns einzustimmen. Die nachfolgenden Sonntage – es können auch Samstage sein – geben dem Advent eine schöne feierliche Struktur. Das Anzünden der Kerzen am Adventkranz verbunden mit einem Lied oder Geschichten finde ich persönlich als sehr wohltuend.


Wir empfehlen das Buch „Weihnachten wie’s früher war“ von Inge Friedl aus dem Syria Verlag. 160 Seiten. 19,90 Euro.


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.