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Grüne Smoothies sind nicht gleich grüne Smoothies. Fachkundig zusammengestellt, schmecken sie köstlich und sind zugleich noch heilsam. Wieviel natürliche Kraft unsere heimischen Wildkräuter besitzen und wie sie gerade Frauen in Form von selbst bereiteten Kräutersäften gut tun, zeigt ein kürzlich erschienenes Buch. Darin vermittelt die Heilpraktikerin und Phytotherapeutin Andrea Wichterich, wie wir viele hormonell bedingte Beschwerden  unkompliziert und feinfühlig lindern und heilen können

Liebe Frau Wichterich, warum sind Heilkräuter besonders für Frauen interessant?

Eine gute Frage! Natürlich sind Pflanzen für alle Menschen existenziell wichtig. Wir verdanken ihnen die Luft, die wir atmen, unsere Nahrung, unsere Gesundheit, unsere Kleidung, unsere Häuser. Aber in sämtlichen alten Kulturen ergab es sich, dass die Frauen zuständig waren für das Sammeln und Konservieren von Pflanzen, während die Männer auf die Jagd gingen. Heilpflanzen zu sammeln und zu verwenden könnte man darum als kulturelles Erbe der Frauen bezeichnen. Wegen meiner Therapie-Schwerpunkte als Heilpraktikerin erschien es mir sinnvoll, ein Buch zu schreiben, dass sich den besonderen Bedürfnissen von Frauen widmet. Und natürlich, weil ich eine Frau bin! Viele der vorgestellten Rezepte sind aber auch für Männer geeignet.

Aus Sandmännchens Beet“: Die Blüten von Baldrian, Linde und Kamille lindern Schlafstörungen (Foto: Andrea Wichterich)

Fördert die Einnahme als Smoothie die Wirkung der Heilpflanzen?

Ja, unbedingt, und zwar ganzheitlich: Zuerst einmal gehen wir hinaus in die Natur. Dabei treten wir in Kontakt mit den Pflanzen und mit uns selbst. In Seminaren stelle ich oft fest, dass die Teilnehmer sich schon beim Sammeln von den Heilkräutern angesprochen fühlen, die für sie persönlich und medizinisch bedeutsam sind. Werden die Pflanzen dann zum Smoothie verarbeitet, sind sie besonders gut verdaulich. Durch das Zerkleinern werden die Zellwände aufgeschlossen und das darin enthaltene Chlorophyll ist uns gut zugänglich. Trotzdem ist es wichtig, den Smoothie nicht wie ein Getränk zu genießen, sondern jeden Schluck eine Zeitlang im Mund zu behalten und erst dann zu schlucken. Da die Verdauung bereits mit dem Speichel im Mund beginnt, kann unser Organismus den Smoothie dann besser verdauen und die Nährstoffe aufnehmen.

Der Smoothie „Sonnenschein für die Seele“ enthält Johanniskraut und wirkt stimmungsaufhellend (Foto: Andrea Wichterich)

Wann ist die beste Zeit, um Heilkräuter zu sammeln?

Genau wie wir gehen auch die Pflanzen ihren Weg durch den Jahreskreis. Dabei haben sie zu jeder Zeit eine besondere Qualität. Wenn die ersten Pflanzen nach dem Winter aus der Erde schießen, sind sie besonders vitaminreich. Im Sommer, rund um die Sommersonnenwende am 21. Juni,  erreichen sie die Hochzeit ihrer Vegetation. Daher stammt auch der alte Brauch, Sonnenwendbuschen oder Johannibuschen zu binden. So wollten schon unsere Vorfahren die Kraft der Kräuter und das in ihnen enthaltene Sonnenlicht mit in die kalte Jahreszeit nehmen. Im Spätsommer folgt mit der Kräuterweihe der „Frauendreißiger“ – eine Sammelzeit besonders für magische Zwecke. Schließlich endet die traditionelle Sammelzeit im Herbst mit Halloween (früher Samhain). Dann werden traditionell Wurzeln ausgegraben, denn die Pflanzen beginnen, ihre Kräfte in der Erde zu bündeln.

In „Ginger High“ helfen Ingwer und junge Fichtentriebe gegen Erschöpfung (Foto: Andrea Wichterich)

Was ist wichtig beim Sammeln und Mixen der Heilpflanzen?

Natürlich sollte man nur ernten und verwenden, was man genau kennt. Und auch wenn ich ausdrücklich zum Experimentieren mit heimischen Heilkräutern anregen will, so ist doch auch Vorsicht geboten. Alle Pflanzen sollten bei Unsicherheit bezüglich ihrer Verträglichkeit zuerst bedachtsam dosiert werden. Außerdem dienen die vorgestellten Rezepte eher der Gesunderhaltung, nicht einer dauerhaften Selbsttherapie. Bei einer ernsthaften Erkrankung ist die Diagnose eines Heilpraktikers (Arztes) oder Phytotherapeuten unumgänglich.

Interview: Silke Schönfelder

Die Autorin

Andrea Wichterich (geb. 1975) ist Heilpraktikerin, Diplom-Heilpädagogin und Yogalehrerin. Seit 2005 führt sie eine eigene Praxis im Bergischen Land bei Köln mit den Schwerpunkten ganzheitliche Phytotherapie, Entgiftung und Ausleitung sowie Yogatherapie, Entspannungs- und Trancetechniken. Ihr Wissen vermittelt sie auch in Seminaren und auf Kräuterwanderungen. Weitere Informationen finden Sie auf www.naturheilkundepraxis.eu 

Das Buch

Heilpflanzen-Smoothies für Frauen, mit 27 Smoothie-Rezepten für Gesundheit, Vitalität und hormonelle Balance. Inklusive 82 Heilpflanzen-Porträts, einem jahreszeitlichen Sammel- und Erntekalender für Blätter, Blüten, Samen/Früchte und Wurzeln sowie wertvollem Hintergrundwissen aus der traditionellen Kräuterheilkunde. Mankau Verlag 2016, 159 Seiten, durchgehend farbig, 15,95 €, ISBN 978-3863743260


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