Besucht uns auch auf…

Am Valentinstag wird weltweit das „schönste Gefühl“ der Menschheit zelebriert. Ob in Deutschland, Österreich, Europa oder Übersee: Viele Liebes-Rituale reichen weit in die Vergangenheit zurück und sind eng mit der Kultur der jeweiligen Länder verknüpft. Andere entstanden erst kürzlich und finden schon in verschiedenen Regionen Anklang. So gibt es heute zahlreiche Festtage im Zeichen der Zuneigung. Besonders interessante Bräuche sind in einem handlichen, kunstvoll illustrierten Buch versammelt. Der Titel „Für immer und jetzt – wie man hier und anderswo die Liebe feiert“ zeigt ebenso poetische wie absurde Facetten.

Der ultimative Liebestest

Unter heiratsfähigen jungen Mädchen in Niederösterreich war es einst Sitte, sich beim Tanz einen Apfelschnitz in die Achselhöhle zu stecken. Diesen überreichten die jungen Frauen danach dem Burschen ihrer Wahl – zum Essen. So konnten sie schnell feststellen, ob sie auf Gegenliebe stießen oder nicht. Unter biologischen Gesichtspunkten ist dieses Verfahren nur logisch. Denn Achselschweiß steckt voller Pheromone: Botenstoffe, die uns in Sekundenschnelle mitteilen, was unser Geist womöglich erst in Jahren fassen könnte. Beispielsweise, ob der erwählte Partner das passende Gegenstück ist oder nicht.

Kein Wunder, dass es vielerorts zu Variationen des Brauchs kam. Im Baltikum diente eine Kartoffel als Achsel-Orakel, im Wendland ein Brötchen und in Amerika ein Bonbon. Liebe geht schließlich durch den Magen!

Apfelschnitztanz: In Österreich kam der Paradiesfrucht früher eine ganz besondere Bedeutung zu (Illustration: Irmela Schautz)


Ein Geschenk als Beweis der Zuneigung

An den langen, britischen Winterabenden entwickelten junge Waliser vor vielen Generationen einen Brauch, der bis heute gepflegt wird. Sie schnitzten kunstvoll verzierte Holzlöffel, die sie anschließend dem Mädchen ihrer Träume verehrten. Die dargestellten Symbole waren gut verständlich: Herz = Liebe, Vögel=Lass uns zusammen davonfliegen, Glocken=Hochzeit, Hufeisen=Glückwünsche, Kreuz=Ich bin gläubig, eingeschnürte Bälle =Bei mir bist du sicher, Blumen=Ich lasse dir Zeit, damit deine Liebe wachsen kann. Angeblich übergaben manche Familien ihren männlichen Nachkommen schon im Kindesalter das Holz eines gerade gefällten Apfelbaumes, damit sie später mit dem gut abgelagerten Holz ihrer Herzallerliebsten einen Löffel schnitzen konnten. Doch es gab kein Gesetz, welches festlegte, dass die Mädchen ihre Verehrer nach einem solchen Geschenk auch heiraten mussten. Darum gab es auch Familien, die alle Love Spoons ihrer Töchter zur Schau stellten, um so ihre Popularität zu bezeugen. Wollte ein Mädchen zeigen, dass sie ihren Verehrer auch schätzte, band sie seinen Löffel an ihre Schürze. Von welchem Mann er stammte, blieb natürlich geheim.

Love Spoons: So manche Waliserin nennt eine beachtliche Sammlung reich verzierter Holzlöffel ihr eigen (Illustration: Irmela Schautz)

Den Seelenverwandten herbeitanzen

Nach der klassischen rabbinischen Literatur wird jedem Menschen von Gott schon vor der Geburt sein „Bashert“(„Seelenverwandter“) zugeteilt. Damit jede Frau Frau ihren Bashert auch finden konnte, wurde dafür vor langer Zeit ein Tag im jüdischen Kalender festgelegt: Der Tu B’Av, der 15. Tag im hebräischen Monat Av (in unserem gregorianischen Kalendersystem meist Juli/August). An diesem Tag gingen die Mädchen in die Weinberge rund um Jerusalem und tauschten ihre Kleider. So waren Mädchen aus armen und reichen Familien nicht mehr zu unterscheiden, und die Männer mussten sich auf die wahren Tugenden der jungen Frauen konzentrieren. Nachdem das Fest für Jahrhunderte in Vergessenheit geraten war, wurde es in den 1920er Jahren wiederbelebt. Seither prägen weiß gekleidete, tanzende Mädchen mit Blumenkränzen im Haar das Bild des Tu B’Av.

Tänzerinnen beim jüdischen Sommerfest der Liebe (Illustration: Irmela Schautz)

Überkommt uns die Liebe, führt das zu den unterschiedlichsten Reaktionen. Mit dem Umwerben des anderen Geschlechts sind weltweit die eigenartigsten Gepflogenheiten verbunden. Neben einer äußerst unterhaltsamen Übersicht über die verschiedenen Bräuche enthält das Buch auch Ideen, wie man sie selbst umsetzen kann, und passende Rezepte für ausgelassene oder innige Liebesfeiern…

Buchtipp: „Für immer und jetzt – wie man hier und anderswo die Liebe feiert“, Michaela Vieser (Text), Irmela Schautz (Illustrationen), Verlag Antje Kunstmann, 208 Seiten, 18 Euro.

Buchcover (Verlag Antje Kunstmann)

 

 


Ein Kommentar zu “Wie man die Liebe feiert – Bräuche von hier und anderswo

  1. Fur verliebte Leser enthalt das Buch zudem Ideen, wie man die Brauche selbst umsetzen kann, und passende Rezepte fur ausgelassene oder innige Liebesfeiern . Irmela Schautz, 1973 geboren, studierte Malerei und Grafik in Munster sowie Buhnen- und Kostumbild in Stuttgart.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.