Besucht uns auch auf…

Diesen Sommer haben mein Mann und ich zum allerersten Mal eine Hausboot-Tour unternommen. Auf der Saône und der Seille im französischen Burgund entdeckten wir wunderbare Landschaften, konnten eine Vielzahl an Tieren wie Reiher oder Eisvögel beobachten und leckere regionale Spezialitäten kosten.

Ausgangspunkt unserer Reise: Die Basis-Station in Pontailler-sur-Saôn. (Foto: Andreas Wenck)

Diese Form des Reisens stieß auch bei unseren Freunden und Kollegen auf großes Interesse, sodass ich ihre häufigsten Fragen und Wissenswertes zum Thema Hausboot-Urlaub einmal zusammengetragen habe. Vielleicht machen die Infos ja Lust, das Abenteuer selbst einmal zu erleben.

Nach Dijon ist Chalon-sur-Saôn die zweitgrößte Stadt in Burgund und vom Wasser aus ein echter Hingucker. (Foto: Andreas Wenck)

Welche Strecke schafft man in einer Woche?

In der Regel legt man in einer Woche knapp 200 Kilometer zurück. Wenn Basis- und Zielstation die gleichen sind, hat man es allerdings selbst in der Hand wie weit man fahren möchte, bevor man zum Ausgangspunkt zurückkehrt. Angenommen ein Ort gefällt einem so gut, dass man gerne zwei oder drei Tage dort verbringen möchte, ändert man einfach seine Route. Anders bei einer Einwegstrecke wie wir sie hatten. Wir starteten in Pontailler-sur-Saône und fuhren bis Louhans. Auch wenn die Strecke hier vorgegeben war, hatten wir dennoch genügend Spielraum, die einzelnen Streckenabschnitte nach unseren Wünschen zu planen. Einzige Bedingung: Samstags um 9.00 Uhr mussten wir das Boot in Louhans wieder besenrein übergeben.

Vom Wasser aus kann man die Landschaft langsam an sich vorbeiziehen lassen. Die ideale Fortbewegungsart, um dem Alltag zu entfliehen und Neues zu entdecken. (Foto: Andreas Wenck)

Braucht man einen Boots-Führerschein?

Das ist das Tolle für alle Hobby-Kapitäne: Man benötigt keinen Bootsführerschein. Bevor man das Steuer aber übernimmt, gibt es eine ausführliche Einweisung, inklusive Probefahrt, damit man sich an das Boot und an das Manövrieren gewöhnen kann. Generell herrscht auf den Flüssen Rechtsverkehr. Es gibt aber auch Ausnahmen, auf die unter anderem im Kapitänshandbuch hingewiesen werden. In diesem Buch sind alle Flussabschnitte verzeichnet mit den jeweiligen Schleusen, Häfen oder Haltemöglichkeiten – ähnlich wie eine Straßenkarte.

Im Kapitänsbuch sind Anlegestellen, Brücken oder Schleusen verzeichnet. So kann man sich auf seiner Route stets bestens orientieren. (Foto: Andreas Wenck)

Ist die Handhabung des Bootes leicht zu verstehen?

Ich habe mir im Vorfeld viel zu viele Gedanken gemacht. Gerade was die Sprachproblematik  bei der Einweisung angeht. Die Realität sieht so aus: In der Regel gibt es bei jedem Anbieter immer einen Mitarbeiter, der die Einweisung in der Muttersprache des Kunden vornehmen kann (was die gängigen Sprachen angeht). In unserem Fall haben wir bei „Les Canalous“ unseren Hausboot-Urlaub gebucht – ein französischer Vermieter und Hersteller für Hausboote, der auch in Deutschland vertreten ist. Eingewiesen wurden wir vor Ort von Erwin, einem Holländer, der bestes Deutsch, Englisch und Französisch spricht. Nach circa einer Stunde hatte er uns alles Nötige zum Boot und die wichtigsten Schifffahrtsregeln erklärt. Klar waren wir beim ersten Ablegen trotzdem noch etwas unsicher, aber ist man erst einmal unterwegs, gewöhnt man sich sehr schnell an die einzelnen Handgriffe.

Die beiden gelben Rauten weisen darauf hin, dass man nur in eine Richtung fahren kann. Mit Gegenverkehr ist in diesem Fall also nicht zu rechnen. (Foto: Andreas Wenck)

Bekommt man das Schleusen auch zu zweit hin?

Auf unserer Route gab es relativ wenig Schleusen, vielleicht so um die zehn. Insgesamt konnten wir zwischen drei Arten von Schleusen unterscheiden: Vollautomatische, wo man nichts machen musste, außer reinfahren und das Boot mit einem Tau befestigen. Halbautomatische, wo man entweder an der Brücke einen Knopf betätigen musste, oder vom Wasser aus an einem Schlauch zieht, um die Schleuse zu aktivieren. Und zu guter Letzt Schleusen, bei denen man alles alleine macht – sprich, die Schleusentore auf und zu dreht sowie die Klappen öffnet oder schließt, wodurch das Wasser entweder entweichen oder eindringen kann und das Boot gehoben oder abgesenkt wird. Letztere sind mit mehreren Leuten natürlich leichter zu bedienen, aber auch zu zweit ist das kein Hexenwerk – vor allem, wenn man ein gutes Team ist. Woran wir uns erst einmal gewöhnen mussten war, dass wir Zeit haben! Das Schleusen ist nicht mit einer Ampel zu verwechseln, wo es schnell gehen muss und hinter dir schon einer drängelt. Auf dem Wasser geht alles langsamer zu und meist findet sich auch immer irgendjemand, der hilft. Wir haben Schleusen erlebt, wo Kinder mit ihren Eltern standen und es kaum erwarten konnten, das Tau um den Poller zu legen. Manche Jugendliche nutzen die Schleusen auch, um sich ihr Taschengeld aufzubessern und freuten sich, wenn sie für ihre Unterstützung von den Touristen ein, zwei Euro bekommen. Das ist aber alles kein Muss und sehr entspannt.

Perfekte Arbeitsteilung: Einer hält das Seil, der andere öffnet das Schleusentor. (Foto: Andreas Wenck)

Wie ist die Ausstattung an Board?

Man hat im Grunde alles, was man braucht: Teller, Gläser, Flaschenöffner, Schüsseln … einen Gasherd, daneben ein Waschbecken, einen Kühlschrank sowie einen großen Tisch, an dem man unter Deck bequem essen kann und sogar ein kleines Bad mit Dusche. Mich erinnerte das alles sehr ans Campen. Als wäre man in einem Wohnwagen auf dem Wasser unterwegs. An Deck gibt es verschiedene Plastikstühle und ebenfalls noch einen Tisch, an dem wir die meiste Zeit gesessen, gegessen und die Umgebung genossen haben.

Es gibt übrigens verschiedene Bootsklassen und -größen. Je nachdem mit wie vielen Leuten man fährt, verfügt das Boot über entsprechend mehr Kabinen mit jeweils einem Doppel- und einem Einzelbett sowie einem separaten Bad. So hat jeder seine Privatsphäre. Fahrräder oder einen Grill kann man ebenfalls dazu buchen. Allerdings ist das Grillen an Board absolut verboten. Dafür sucht man sich besser ein Plätzchen an Land, neben der Anlegestelle.

Schaukelt das Boot sehr?

Als ich meinem Mann von der Hausboot-Idee erzählte, hat er mich ziemlich skeptisch angeguckt. Dazu muss man wissen, dass mir immer schlecht wird: beim Autofahren, im Flugzeug, im Bus und sogar in der Straßenbahn, wenn ich rückwärtsfahre. Trotzdem wollte ich es unbedingt ausprobieren und siehe da: Null Problemo! Was mich vermutlich selbst am meisten überrascht hat. Der Fluss war spiegelglatt. Man ist nur dahingeglitten. Keine Wellen, kein Schaukeln – außer, wenn uns ein Motorboot mit voller Kraft entgegenkam, was zum Glück nur ein, zweimal passierte. Auch das Schlafen nachts war super. Nach ein paar Tagen spürte ich das Schaukeln auf einmal doch – allerdings nur, wenn ich an Land war. Ich saß in einem Café und merkte wie es in mir leicht schwankte. Offensichtlich hatte ich mich so an das Boot gewöhnt, dass ich jetzt auf einmal „Landkrank“ wurde. Ein ganz neues Gefühl.

Ist so ein Hausboot-Urlaub sehr teuer?

Das kommt auf den Boots-Typ an, mit wie vielen Leuten man wann und wie lange fährt und ob man bestimmte Aktionen, bzw. -zeiträume nutzen kann. Stimmt das Timing, bekommt man so eine Woche im Burgund bei „Les Canalous“ beispielsweise im Sonderangebot schon für etwa 500 Euro. Hinzu kommen noch die Betriebsstunden, aus denen sich der Treibstoff berechnet, die variieren können – je nach Marktlage. Durchschnittlich fährt man vormittags etwa drei bis vier Stunden und das gleiche noch einmal am Nachmittag. Angenommen die Fahrtzeit beträgt pro Tag 6 Stunden, multipliziert mit beispielsweise sechs Euro je Betriebsstunde, ergeben sich daraus noch einmal 36 Euro täglich. In jedem Fall lohnt es sich, seine Augen nach vergünstigten Angeboten aufzuhalten.

 

Was sollte man sonst noch wissen?

  • Am Tag der Anreise unbedingt Zeit einplanen. Wenn die Bootsübergabe in den Unterlagen mit 15.00 Uhr angegeben wird, heißt das nicht, dass man gegen 16.00 Uhr abfahrtbereit ist. Manchmal dauern Einweisungen, Reinigung oder kleine Reparaturarbeiten einfach etwas länger. Wir sind am ersten Abend im Hafen der Basisstation geblieben, haben für das Abendbrot und Frühstück am nächsten Morgen eingekauft, in Ruhe ausgepackt und wurden in der Dunkelheit dafür mit einem beeindruckenden Feuerwerk überrascht, da wir genau zu einem Stadtfest vor Ort waren.

 

  • Die Boote verfügen über keine Scheinwerfer. Man fährt daher immer nur von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang. Es schadet nicht, am Morgen schon einmal grob zu planen, wo man übernachten möchte. Gerade kleine Anlegestellen können ab nachmittags schnell belegt sein. Man sollte ebenfalls bedenken, dass das Boot nur bis zu zwölf km/h fährt, was etwa mit Fahrradfahren vergleichbar ist. Also immer genügend Zeit einplanen.

 

  • Die Standart-Boote verfügen an Deck meist nur über einen Sonnenschirm. Ist man mit mehreren Leuten unterwegs, sind die Schattenplätze rar. Deshalb auch an Sonnenhüte und UV-Schutz denken.

Was waren deine Highlights?

Am schönsten empfand ich die Ruhe. Vor allem, wenn wir außerhalb der Häfen, irgendwo an einem Treidelweg angelegt haben, um dort zu übernachten. Man ist völlig mit sich und der Natur alleine. Am besten genießt man den Sonnenuntergang bei Baguette, Käse und einem kühlen Glas Weißwein, z.B. einem Chablis, der in der Region angebaut wird. So fühlt man sich automatisch wie „Gott in Frankreich“.

Auf der Saône gibt es viele Abschnitte, an denen man wild anlegen kann. Die Wasser- und Stromvorräte reichen locker für zwei Tage. Danach sollte man wieder einen Hafen ansteuern, um seine Reserven aufzufüllen. Strom wird vom Motor während der Fahrt erzeugt. (Foto: Andreas Wenck)

Würdest du so einen Urlaub noch einmal machen?

Unbedingt! Wir haben eine sehr heiße Woche erwischt und uns daher weniger die umliegenden Städte angeschaut. Stattdessen verbrachten wir die Zeit auf dem Boot bei sanftem Wind oder beim Baden im Fluss. Die Ausflüge an Land möchte ich unbedingt noch einmal nachholen.

Die Flüsse zeigten sich spiegelglatt. Wir konnten dahingleiten ohne hin- und hergeschaukelt zu werden und uns an dem Vogelgezwitscher erfreuen. (Foto: Andreas Wenck)

Was mir ebenfalls gefiel war, dass die Flüsse trotz Hauptsaison immer angenehm leer waren. Die Stille und unbefahrene Weite des Flusses haben mich voll in ihren Bann gezogen. Wir haben zahlreiche Reiher, Kühe und sogar Eisvögel am Ufer entdeckt, die sich von uns nicht großartig stören ließen. Es ist eine ganz andere Perspektive, vom Wasser aus die Landschaft zu betrachten. Man fühlt sich wie ein Teil des Flusses und ist doch Beobachter. Hektik und Alltag waren bei mir ab dem zweiten Tag vergessen. Die Tage kamen mir endlich einmal wieder endlos vor. Ein unbeschreiblich schönes Gefühl.


Text: Anne Gutacker / Fotos: Andreas Wenck

 

 

 

 

 

 


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